Granada ist eine Stadt der
Muße, eine Stadt der Betrachtung und Phantasie, eine Stadt, in der welcher der
Verliebte besser als in irgendeiner anderen den Namen seiner Liebe in den Sand
schreibt. Granada ist gemacht für Traum und Träumerei. (Federico Garcia Lorca
aus "Spanische Geisteswelt, Fritz Schalk).
Ja, ich kann dem nur meine
Zustimmung geben, denn auch ich empfinde Granada als eine Stadt der Phantasie:
Wie wäre diese Stadt ohne Regen? Was wäre die Stadt ohne den Geliebten mit dem
ein Kuscheln im Bett möglich ist, um die Kälte zu ertragen.
„Gib ihm ein Almosen, Frau,
denn nichts in der Welt, nichts, ist schlimmer als blind zu sein in
Granada.“ (Sprichwort)
Bei Sonnenuntergang auf dem
Albaicín zu stehen, im Angesicht der Alhambra und der Sierra Nevada, das ist
ein Fest für die Sinne, ein "Anblick, von dem Menschen aus dem Norden sich
keine Vorstellung machen können". (Théophile Gautier).
Quien no ha visito Grandada,
noha visito nada. - Wer Granada nicht gesehen
hat, hat gar nichts gesehen.
Es scheint mir ich bin gegen
diese Stadt immun. Der Funke dieser Schwärmerei der Dichter und Autoren ist auf
mein Herz nicht über gesprungen.
Das heutige Regenprogramm
war die Besichtigung der Catedral Santa Maria de la Encarnación. Die
Kombination des in der Gotik verpflichteten Grundrisses mit Vollendung in der
italienischen Renaissance vermittelte mir keine Disharmonie. Die Katholischen
Könige Isabella und Ferdinand wollten ein Denkmal zum Sieg über die Mauren
setzen. Beides ist ihnen gelungen.
Der Regen und die Kälte machten
Angriff auf meine Glieder. Abbruch des Ausfluges in die Albaicin (alter
Stadtteil der Mauren) noch bevor begonnen hat. Im Hostal verkroch ich mich
unter die wärmende Decke und widmete mich meiner veralteten Wiener Zeitung.
Am
frühen Abend endeten der Regen und meine Rast im Bett.
Der Himmel zeigte
Erhellung und am Mirador de San Nicolás erstrahlte die Alhambra im schwachen Abendsonnenschein
in dem Rot deren Namen sie verliehen bekam. Diese Ansicht schloss meinen
inneren Frieden mit der Stadt, deren Hysterie der vermeintlichen Schönheit ich
nicht verstehen konnte, mir nun klar vor den Augen lag.
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