Samstag, 19. April 2014

Anreisen mit Ankommen

Abflugmodalitäten, wie immer eine Erniedrigung. Mein gut gepacktes und geordnetes Handgepäck musste von mir an der Sicherheitskontrolle in drei Plastikboxen aufgeteilt werden. Das Durchschreiten des Triumphbogens habe ich ohne Pieps nicht geschafft. Ich wurde von einer netten uniformierten Frau im Schritt und am Busen betastet, nach dieser äußerst unerotischen Berührungen mussten noch meine Schuhe in einem dunklen Kasten einen Test bestehen. Meine befüllten Plastikboxen passierten den Kontrolltunnel anstandslos. Die Handtasche war ein Unsicherheitsfaktor und musste ausgeräumt werden. Das Objekt der Aufregung war meine winzige Nagelfeile. Sie wurde  abgemessen und im Anschluss als „Save“ wieder zurückgegeben. Neben mir wurde ein mutmaßlicher Terrorist im Alter von zweieinhalb Jahren seiner Trinkflasche entledigt und das geschah nicht ohne Protest und lautem Geschrei von jungem Terroristen, Terroristenmutter und Sicherheitskraft. Der uniformierte Beamte siegte.

Es sind 134 km von Malaga nach Granada, laut Google-Maps sind das 1 Stunde und 26 Minuten Fahrzeit. Das Mietauto flog sanft auf der Autobahn und war zur errechneten Zeit tatsächlich in Granada. Weitere 3 Stunden inklusive einer kleinen Kaffeepause kostete die Suche nach dem Hostal Ninfa. Die Geschichte des berühmten, hilfsbereiten und nützlichen Navigators spare ich an dieser Stelle völlig aus.


la ventana
Der Erschöpfung hingebend legte ich mich ins Bett meines neu bezogenen Zimmers und starrte aus der Tür des französischen Balkons. Zu sehen ist ein Haus mit Fenster deren Einblicke mit einer Jalousie geschützt sind. Die Fassade ist gelb bis ocker und der obere Teil des Fensters zeigt eine weibliche Verzierung. Es erhebt sich ein Frauengesicht und blickt blind wie das Fenster. Wie magisch zogen mich die leeren Augen an. Meine Augenlieder wurden schwerer und schwerer bis sie wie die vis-á-vis Jalousie den Einblick in mein Inneres verwehrten und zuklappten. Ich gleite ins Land der Traumlosigkeit. Meine Ohren holten mich wieder in die Realität zurück und ließen mich immer wieder und immer wieder Gummireifen quietschen hören. Dieses Geräusch wirkte bedrohlich. Darf auf diesem Untergrund nicht gefahren werden? Ist der Fahrer des Vehikels mächtig? Oder ist es einfach nur eine normale Geräuschkulisse? Kühle Luft aus der offenen Balkontür ließen mich aus dem Bett flüchten. Es wird Zeit für die Nachtbesichtigung.

Palacio de Generalife
Die Tore der Alhambra öffneten sich für einen eineinhalb stündigen Spaziergang durch den Palacio de Generalife (Sommerplalast) mit seinen berühmten Gärten. Der Name kommt aus dem Arabischen und bedeutet Garten des (Gott) Erkennenden. Meine Augen hatten sich weit mehr erwartet als letzten Endens meine Nase angeboten bekam. Die Düfte der Blumen und Blüten waren berauschend sinnlich und unbeschreiblich süß. Ich war im Paradies der Gerüche.


Auf dem Weg zum Hostal Ninfa kreuzten sich die Wege mit der Osterprozession. Frauen, in schwarzer Kleidung und mit typisch spanischem Haarschmuck, sowie Männer in aufwendigen roten oder blauen Roben mit dazupassender Spitzmütze, die das Gesicht völlig verbargen, begleiteten die Heilige Maria Mutter Gottes auf dem Weg durch Granada. Zwei Musikkapellen spielten gleichzeitig in Disharmonie und mit selbstbewusster Lautstärke.





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen